Spielsucht in der Familie: Warum Angehörige kein Geld leihen sollten

Symbolbild für Angehörige von Spielsüchtigen und finanzielle Grenzen

Wenn ein Partner, Kind, Elternteil oder Freund wegen Glücksspiel um Geld bittet, fühlt sich ein Nein oft grausam an. Die Person wirkt verzweifelt, verspricht Besserung und sagt vielleicht, dass sonst Miete, Kreditrate oder Stromrechnung nicht bezahlt werden können. Trotzdem lautet die wichtigste Regel für Angehörige: Leihen Sie kein Geld und übernehmen Sie keine Spielschulden.

Das ist keine Hartherzigkeit. Es ist Schutz. Für Sie selbst und für die betroffene Person. Mehrere österreichische Hilfsangebote geben denselben Rat: Geld löst die Spielsucht nicht, sondern kann den Kreislauf aus Spielen, Verlust, Rettung und erneutem Spielen verlängern.

Warum Geldgeben bei Spielsucht so gefährlich ist

Bei einer Glücksspielsucht geht es nicht nur um fehlende Disziplin. Betroffene spielen weiter, obwohl sie negative Folgen erleben: Schulden, Streit, Lügen, berufliche Probleme, Scham oder depressive Verstimmung. Playsponsible nennt als Warnzeichen unter anderem, dass mehr Geld ausgegeben wird als vorhanden ist, dass Verluste zurückgewonnen werden sollen und dass die Person Geld leiht, um weiterspielen zu können.

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Wenn Angehörige dann zahlen, wird zwar kurzfristig Druck reduziert. Langfristig bleibt aber das eigentliche Problem bestehen: Die spielende Person erlebt nicht die volle Konsequenz des Spielens und hat wieder finanziellen Spielraum. Die Spielerhilfe formuliert es sehr klar: Geldleihen oder Schuldübernahme löst das Problem nicht, sondern verlängert in vielen Fällen den Suchtverlauf.

Typische Situationen, in denen Angehörige weich werden

  • „Ich brauche nur 200 Euro, dann ist alles erledigt.“
  • „Wenn du mir nicht hilfst, verliere ich die Wohnung.“
  • „Ich habe aufgehört, aber diese eine Rechnung muss noch weg.“
  • „Ich zahle es dir sicher nächste Woche zurück.“
  • „Du bist schuld, wenn jetzt alles eskaliert.“

Solche Sätze können ehrlich gemeint sein und trotzdem Teil des Suchtkreislaufs bleiben. Gerade nach Verlusten ist der Druck hoch, Geld aufzutreiben. Angehörige werden dann manchmal ungewollt zur letzten Kreditlinie. Das müssen Sie nicht leisten.

Was Sie stattdessen tun können

Ein Nein zum Geld ist nicht automatisch ein Nein zur Hilfe. Entscheidend ist, welche Hilfe Sie anbieten. Sinnvoll ist Unterstützung, die den Weg aus der Sucht stärkt, nicht das Weiterspielen ermöglicht.

  • Beratung anbieten: Schlagen Sie eine Spielsuchtberatung vor und bieten Sie an, beim ersten Termin mitzukommen.
  • Schuldnerberatung einbeziehen: Bei offenen Rechnungen, Krediten oder Mahnungen sollte professionelle Schuldenberatung helfen.
  • Gemeinsamen Plan machen: Einnahmen, Fixkosten, Schulden und Zahlungsfristen schriftlich erfassen.
  • Zugriff auf Geld begrenzen: Keine Bankkarte, keine Kreditkarte, keine gemeinsamen Passwörter herausgeben.
  • Selbstschutz organisieren: Eigenes Konto, eigene Rücklagen und klare Grenzen schaffen.

Wenn Sie konkrete finanzielle Schritte suchen, ist unser Artikel zu Geldmanagement bei Spielsucht ein guter nächster Einstieg. Für bereits entstandene Schulden hilft zusätzlich der Leitfaden Schulden durch Spielsucht: Was tun?.

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Wie Sie ein klares Nein formulieren

Ein gutes Nein ist kurz, ruhig und wiederholbar. Vermeiden Sie lange Diskussionen über Schuld. Je mehr Sie erklären, desto mehr Angriffsfläche entsteht. Besser sind klare Sätze:

  • „Ich gebe dir kein Geld, aber ich komme mit dir zur Beratung.“
  • „Ich bezahle keine Spielschulden. Ich helfe dir, einen Termin bei der Schuldnerberatung zu machen.“
  • „Ich liebe dich, aber ich finanziere das Spielen nicht.“
  • „Ich diskutiere nicht über neue Kredite. Wir sprechen über Hilfe.“

Wichtig ist Konsequenz. Wenn Sie einmal Nein sagen und später doch zahlen, lernt der Suchtkreislauf: Druck erhöhen funktioniert. Deshalb sollten Sie Grenzen vorher schriftlich für sich festlegen.

Besonders wichtig bei gemeinsamen Konten und Krediten

Wenn Sie mit der betroffenen Person ein gemeinsames Konto, gemeinsame Kreditkarte oder gemeinsame Fixkosten haben, müssen Sie schnell handeln. Die Spielerhilfe empfiehlt Angehörigen, die eigene finanzielle Sicherheit zu schützen. Bei gemeinsamen Konten kann ein eigenes Konto sinnvoll sein, auf das die betroffene Person keinen Zugriff hat.

Übernehmen Sie keine neuen Kredite. Unterzeichnen Sie keine Umschuldung, die Sie nicht vollständig verstehen. Geben Sie keine Bankkarte heraus. Zahlen Sie nicht still offene Rechnungen, während die betroffene Person weiter spielt. Das Institut Glücksspiel und Abhängigkeit rät Angehörigen ausdrücklich, keine Kredite zu übernehmen, keine offenen Rechnungen auszugleichen und sich nicht für Spielschulden verantwortlich zu fühlen.

Wann professionelle Hilfe dringend ist

Professionelle Hilfe ist nicht erst nötig, wenn alles zerstört ist. Sie ist sinnvoll, sobald Lügen, Schulden, Kontrollverlust oder ständiger Streit auftreten. Warnzeichen bei Partnern haben wir hier ausführlich gesammelt: 10 Anzeichen, die auf eine Spielsucht hindeuten.

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Das Institut Glücksspiel und Abhängigkeit bietet etwa kostenlose Erstberatung, auf Wunsch anonym und ohne e-card, sowie Angehörigenberatung. Auch regionale Fachstellen und Schuldnerberatungen unterstützen nicht nur Betroffene, sondern ausdrücklich Angehörige.

Wenn die betroffene Person Hilfe ablehnt

Sie können niemanden in Veränderung hineinretten. Sie können aber Ihre Grenzen halten. Wenn die Person Beratung ablehnt, dürfen Sie trotzdem selbst Beratung nutzen. Angehörigenberatung ist kein Verrat, sondern Entlastung. Sie hilft, nicht aus Angst, Schuldgefühl oder Erschöpfung falsche Entscheidungen zu treffen.

Bei wiederholten Rückfällen hilft zusätzlich unser Beitrag Nach dem Rückfall: So bewältigen Sie einen Ausrutscher. Rückfall bedeutet nicht, dass alles verloren ist. Aber er zeigt, dass ein stabilerer Schutzplan nötig ist.

FAQ: Angehörige, Geld und Spielsucht

Soll ich Spielschulden meines Partners bezahlen?

In der Regel nein. Sie können bei Beratung, Überblick und Schuldnerberatung helfen, sollten aber keine Spielschulden übernehmen.

Ist es falsch, Miete oder Stromrechnung direkt zu bezahlen?

Das kann im Einzelfall notwendig wirken, sollte aber nicht heimlich oder wiederholt passieren. Klären Sie die Situation mit Beratung, damit daraus kein dauerhafter Rettungskreislauf entsteht.

Was sage ich, wenn ich unter Druck gesetzt werde?

Bleiben Sie bei einem kurzen Satz: „Ich gebe kein Geld. Ich helfe dir bei Beratung.“ Wiederholen Sie ihn, statt in Streit einzusteigen.

Darf ich selbst Beratung suchen?

Ja. Angehörige sind mitbetroffen und dürfen Hilfe nutzen, auch wenn die spielende Person noch nichts ändern will.

Quellen

  • Spielerhilfe: Hilfe für Angehörige von Spielsüchtigen
  • Playsponsible: Hilfe und Beratung für Angehörige
  • Institut Glücksspiel und Abhängigkeit: Beratung für Hilfesuchende und Angehörige
  • Fachstelle Glücksspielsucht Steiermark: Beratungs- und Behandlungsangebote
  • BMF: Spielerschutz und Hilfsangebote
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