Nach dem Rückfall: So bewältigen Sie einen Ausrutscher bei der Spielsucht

Therapiesitzung bei Spielsucht - professionelle Hilfe

Ein Rückfall gehört zu den größten Ängsten jedes Menschen, der sich aus der Spielsucht kämpft. Viele Betroffene erleben ihn als persönliches Versagen – und geben dann endgültig auf. Dabei ist ein Rückfall kein Endpunkt. Er ist ein Signal, dass etwas im Genesungsprozess angepasst werden muss.

In Österreich erleiden schätzungsweise 40 bis 60 Prozent der Menschen, die eine Spielsucht-Therapie abgeschlossen haben, innerhalb von zwei Jahren einen Rückfall. Das klingt niederschmetternd, zeigt aber auch: Rückfälle sind normal. Entscheidend ist nicht, ob Sie einen Ausrutscher hatten, sondern wie Sie danach weitermachen.

Was ist ein Rückfall – und was nicht?

Nicht jeder Ausrutscher ist gleich ein Rückfall. Es ist wichtig, die Unterschiede zu kennen:

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Begriff Bedeutung Gefahr
Ausrutscher (Lapse) Einmaliges Spielen nach abstinenter Phase Niedrig, wenn sofort gegengesteuert wird
Rückfall (Relapse) Wiederaufnahme des alten Spielmusters über Tage/Wochen Hoch – kann zur Vollsucht zurückführen
Abbruch (Prolapse) Aufgeben aller Bemühungen, Aufgabe der Abstinenz Sehr hoch – Rückkehr in die Vollsucht

Ein Ausrutscher muss nicht zu einem Rückfall werden. Entscheidend ist, wie Sie in den ersten 24 bis 48 Stunden nach dem Vorfall reagieren. Wer sofort handelt, kann aus einem Ausrutscher lernen und gestärkt hervorgehen.

Der 7-Punkte-Notfallplan nach einem Ausrutscher

Wenn es passiert ist: Keine Panik. Atmen Sie tief durch und arbeiten Sie diesen Plan ab:

  1. Stoppen Sie sofort. Kein „noch eine Runde, um es wieder reinzuholen“. Schalten Sie das Gerät aus, verlassen Sie das Casino oder Wettbüro. Sofort.
  2. Sprechen Sie mit jemandem. Rufen Sie eine Vertrauensperson an, Ihren Suchtberater oder eine Selbsthilfegruppe. Schweigen ist der Feind der Genesung.
  3. Analysieren Sie den Auslöser. Was hat zum Spielen geführt? Stress? Langeweile? Geldprobleme? Ein Alkoholrausch? Eine emotionale Krise? Notieren Sie es.
  4. Entsorgen Sie das Restgeld. Überweisen Sie übriges Geld auf ein Konto, das Sie nicht für Spiele nutzen können. Zahlen Sie Rechnungen davon. Machen Sie es sich schwer, erneut zuzugreifen.
  5. Verstärken Sie Ihre Schutzmaßnahmen. Blockieren Sie Ihre Spielseiten erneut. Erneuern Sie Ihre Selbstsperre für Österreichs Casinos. Lassen Sie sich von einer Vertrauensperson Ihr Online-Banking-Passwort ändern.
  6. Suchen Sie noch am selben Tag professionelles Gespräch. Viele Suchtberatungsstellen in Österreich bieten kurzfristige Telefonberatung oder offene Sprechstunden.
  7. Vergeben Sie sich selbst. Ein Ausrutscher löscht nicht Ihre bisherigen Erfolge aus. Sie haben bereits bewiesen, dass Sie abstinent leben können. Sie müssen es nur wieder schaffen.

Warum Rückfälle passieren – die häufigsten Auslöser

Forschung und Erfahrungsberichte zeigen immer wieder dieselben Muster. Zu den häufigsten Rückfall-Auslösern gehören:

  • Negative Gefühle: Einsamkeit, Wut, Frustration, Langeweile – das Spielen war früher der „Notausgang“ aus unangenehmen Emotionen.
  • Sozialer Druck: Freunde, die weiter spielen, Einladungen ins Casino oder Wettbüro, Pokeralben mit Kollegen.
  • Finanzieller Stress: Die Illusion, mit einem letzten Gewinn alle Schulden tilgen zu können („chasing losses”).
  • Selbstüberschätzung: Nach Monaten der Abstinenz glauben viele, sie hätten die Sucht „im Griff“ – und testen es mit einem kleinen Einsatz.
  • Alkohol- oder Drogenkonsum: Substanzen senken die Hemmschwelle massiv. Viele Rückfälle passieren unter Alkoholeinfluss.
  • Positive Ereignisse: Auch gute Nachrichten können triggern – das Bedürfnis, zu feiern oder sich zu belohnen.

Lesen Sie auch unseren Artikel Rückfälle frühzeitig vermeiden für präventive Strategien.

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Wie Sie aus einem Rückfall lernen

Ein Rückfall ist keine Niederlage, sondern eine Informationsquelle. Fragen Sie sich:

  • Welche Situation oder Emotion hat den Ausrutscher ausgelöst?
  • Welche Warnsignale habe ich übersehen?
  • Welche Bewältigungsstrategie hat gefehlt?
  • Was brauche ich jetzt, um stabil zu bleiben?

Notieren Sie die Antworten. Sie helfen Ihnen, Ihren persönlichen Risikofahrplan zu erstellen – und beim nächsten Mal früher zu reagieren.

Professionelle Hilfe nach einem Rückfall

Wenn Sie allein nicht aus dem Kreislauf herausfinden, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. In Österreich gibt es kostenlose und vertrauliche Angebote:

  • Spielsuchthilfe Österreich: Kostenlose Hotline und Beratung in allen Bundesländern
  • Psychosoziale Beratungsstellen: In jedem Bundesland, oft mit Sprechtagen speziell für Spielsucht
  • Suchtambulanzen: In Wien, Graz, Linz, Salzburg und anderen Städten
  • Selbsthilfegruppen: Anonyme Spieler (G.A.) haben regelmäßige Treffen in ganz Österreich

Ein Rückfall bedeutet nicht, dass die Therapie umsonst war oder Sie für immer verloren sind. Tausende Menschen in Österreich haben nach einem oder mehreren Rückfällen ihren Weg aus der Sucht gefunden. Sie können das auch.

Fazit

Ein Rückfall ist ein schwerer Schlag – aber kein Endpunkt. Wer schnell und besonnen reagiert, kann ihn sogar als Lernchance nutzen. Entscheidend ist: Nicht aufgeben, sofort handeln, Hilfe holen. Der Weg aus der Spielsucht ist selten eine gerade Linie. Er hat Kurven, Steigungen und manchmal auch Rückschritte. Wichtig ist, dass Sie weitergehen.

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